Bei der Bundestagswahl 2005 habe ich das Direktmandat für den Wahlkreis 66 (Altmark) gewonnen. Die Altmark liegt im Norden des Bundeslandes Sachsen-Anhalt und umfaßt den Landkreis Stendal und den Altmarkkreis Salzwedel.
In der vorwiegend landwirtschaftlich geprägten Region, die zudem ein Refugium für Naturfreunde ist, leben ca. 245.000 Menschen. Die Fläche ist mit 4.700 km² größer als das Saarland. Damit ist die Altmark einer der größten Wahlkreise der Bundesrepublik.
An dieser Stelle möchte ich Ihnen die Sehenswürdigkeiten, die Geschichte und Geschichten der Altmark vorstellen. Folgen Sie mir auf einer kurzen Rundreise durch meinen Wahlkreis.

Weit ist der Horizont der Altmark mit ihren vielfältigen Landschaften: dem Niedermoor des Drömling, der Colbitz-Letzlinger Heide, den bis zu 160 m hohen "Bergen" im "drögen" Herzen der Mark oder auch den Elbauelandschaften und dem Wassersportparadies des Arendsees. Ideales Refugium für Naturfreunde und für Wild und seltene Vögel - und dazu der Wind, der den Altmärkern die Mühlen beschert hat, vor allem Bockwindmühlen wie in Zierau (Bild rechts).

Mindestens drei Dinge zeichnen den Arendsee (Bild links) aus: Er bietet hervorragende Wassersportmöglichkeiten, die Maräne - ein leckerer Fisch - tummelt sich in seinem Wasser, und er fasziniert Geologen und Historiker. Der Mühlstein, der 1685 samt Mühle bei einem großen Ufereinbruch in der Tiefe verschwand, wurde drei Jahrhunderte später geborgen und ziert heute das Heimatmuseum in Arendsee.

"Soltwedele" an der Furt: durch die ab hier schiffbare Jeetze zählt die Stadt seit mehr als 150 Jahren zu den reichsten Städten in der Altmark. Davon zeugen das mittelalterliche Zentrum, prachtvolle Stadttore aus Backstein, alte Speicher, reiches Fachwerk, kurz: Salzwedel (Bild rechts) besitzt Geschichte und Flair, zu dem natürlich auch der bekannte "originale", über offenem Feuer gebackene Baumkuchen gehört.

Den idyllischen Winkel, wo sich Elbe und Havel vereinen, prägen beschauliche Fischerdörfer, ausgedehnten Wiesen und die Dom- und Inselstadt Havelberg (Bild links) - einst umkämpftes Heiligtum heidnischer Wenden. Im Sommer locken Naturschutzgebiete und Badeseen, am ersten Septemberwochenende der seit 1170 stattfindende Pferdemarkt und übers ganze Jahr das Prignitzmuseum, das zurückführt in die Zeit der germanischen Göttin Frau Harke.

Spätestens wenn der Karneval vorbei ist - und der wird in der Altmark bis hin zum Elb-Havel-Winkel deftig gefeiert -, wird wieder in die Hände gespuckt. Die Altmark ist auch Bauernland - nachzuerleben im Diesdorfer Freilichtmuseum (Bild rechts) mit seinen Höfen, mit Speichern, dem Backhaus und der Bockwindmühle, die getreu nach alten Vorlagen wieder aufgebaut wird, der Schmiede und dem historischen Kräutergarten, wo selbst der bis zu zwei Meter hohe Braunkohl gedeiht.

Wo heute die von Erholungssuchenden geschätzte Beschaulichkeit und Idylle eingekehrt sind, herrschte einst die in Hafenstädten und an Stapelplätzen übliche Hektik der Kaufleute, Packer und Transporteure: Werben, Tangermünde, Stendal (links: Marktplatz), Gardelegen, Salzwedel und Osterburg gehörten vom 12.-15. Jh. dem mächtigen Bund der Hanse an. Eingebunden in eine aktive Natur und gemächlich durchflossen von der Elbe mit ihren zeitlosen Auenlandschaften laden sie ein zum Blättern im steinernen Bilderbuch der Geschichte.

Wo viel gefochten wird, bedarf es der Vorbilder. An der Grenze zum heidnischen Slawenland rechts der Elbe kam der Inbegriff des christlichen Ritters, der Roland, gerade recht. So findet man hier ungewöhnlich viele von ihnen. Prachtexemplare sind vor allem der hünenhafte Stendaler Recke (Bild rechts) und sein Haldenslebener Kollege, der einzige seiner Art zu Pferd.

Die Bezeichnung Altmark ist seit dem 14. Jahrhundert belegt. Aus den eiszeitlichen Jägern und Sammlern hatte sich - zivilisationsbedingt - in dieser Region ein seßhafterer Menschenschlag herausgebildet. Der legte Wert auf ein Stück Unsterblichkeit und baute sich Großsteingräber (Hünengräber) zum Beispiel bei Stöckheim, Lüdelsen, Drebenstedt, Wötz und Steinfeld (Bild links).

Als den Bürgern Tangermündes (Bild rechts: Rathaus) im 15. Jh. die Steuern und insbesondere der Zins aufs Bier zu hoch wurden, revoltierten sie - und verspielten die Zukunft der Kaiserstadt als deutsche Hauptstadt. Karl IV. hatte sie rund 100 Jahre zuvor neben Prag zu seiner zweiten Residenz gemacht und den stark befestigten Fernhandelsmarkt an der Mündung des Tanger in die Elbe weiter ausgebaut. Die ihm in der Herrschaft folgenden Hohenzollern zeigten sich dann ob des Bürgertrotzes verärgert und zogen mit ihrer Residenz um - nach Cölln-Berlin.

So karg es in der Wiege Preußens mitunter zugegangen sein mag, gutes Bier gab es reichlich. Insbesondere Gardelegen (Bild links: Rathaus) stand im Zeichen des Hopfens: Im 16. Jahrhundert wurden hier über 250 Brauhäuser gezählt. Viel Altes ist erhalten geblieben, wie auch im wenig entfernten Kalbe an der Milde, der Stadt der 100 Brücken mit den Ruinen einer 1000-jährigen Wasserburg.

Luther kam zwar nie selbst in die Altmark, doch seinem Wirken begegnet man überall. Hier bereiteten altmärkische Studenten, die in Wittenberg zu Luthers Schülern wurden, der Reformation den Weg. Das kostete den Stendaler Stadthauptmann und einigen Bürgern den Kopf, als der Kurprinz mit 1.000 Reitern die aufmüpfige Stadt (Bild rechts: Uenglinger Tor), die damals 1.210 Haushalte zählte, heimsuchte.

Stendals Stadtbild erzählt von der Blüte der infolge von Tuchmachern und Handel einst mächtigsten Stadt der Mark, von Feuersbrünsten und den Wirren des 30-jährigen Krieges. Und doch hat die Stadt mit den mächtigen Toren ihren Reiz und kulturellen Rang behalten, zu dem auch das Andenken an den hier geborenen Johann Joachim Winckelmann (Bild links), den Begründer der modernen Archäologie, gehört. Voller Bewunderung legte sich der französische Schriftsteller Henri Beyle (Die Kartause von Parma) das Pseudonym Frederic de Stendhal zu.

Der Wanderstock gibt den Takt an, überläßt man sich Theodor Fontane (Bild rechts) und seinen "Gedanken über die Altmark". Die weite Landschaft mit ihren einst stattlichen Städten voller Geschichte und Geschichten inspirierte ihn zu bester Reiseliteratur und zu meisterhaften Romanen und Novellen.

Im Stendal des 13. Jahrhunderts spielen die Bismarcks als Gildemeister der Gewandschneider eine bedeutende Rolle im Stadtrat. Und auch in der Folgezeit mischen sie in der Altmark kräftig mit, bis 1815 in Schönhausen der junge Otto von Bismarck (Bild links) geboren wird. Er bringt es vom Deichhauptmann bis zum Reichskanzler und ist noch heute eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Deutschen Geschichte.

Während ihr Mann Karl Marx versuchte, die Welt zu verbessern, hielt sie die Familie zusammen: Jenny Marx (Bild rechts). Im Jenny-Marx-Haus in Salzwedel wird an die hier geborene Tochter des Landrates erinnert - 200 Jahre Geistes- und Frauengeschichte. Das prachtvolle Fachwerk der Probstei (1578) birgt das Danneil-Museum zur uralten Geschichte der Altmark und zur Historie der Stadt, darunter einen Tafelaltar von Lucas Cranach d. J. (1582).
Quelle: Faszinierendes Sachsen-Anhalt. Abstecher von der Straße der Romanik. Herausgegeben vom Ministerium für Wirtschaft und Technologie des Landes Sachsen-Anhalt.